Buchempfehlung: Trau nie einem Fremden!

April 8, 2016 8 Von

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Ich weiß nicht, ob ich da schon mal so genau drauf eingegangen bin. Shiva kam als komplett verängstigter Hund zu mir, der nach allem und jedem geschnappt hat. Sie war zwar auch neugierig, aber sobald eine schnelle Bewegung in ihre Richtung ging, hat sie Zähne gezeigt und versucht zu flüchten. In vielen kleinen Einzelschritten haben wir die Angst größtenteils besiegt. In seltenen Ausnahmefällen verfällt sie wieder in eine Panikattacke. Aber mittlerweile haben wir das gut im Griff.

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Ziemlich am Anfang hab ich mir mal das Büchlein “Trau nie einem Fremden!” von Patricia B. McConnell gekauft. Das hab ich erstmal komplett gelesen und mir eine Liste gemacht. Nach und nach habe ich die Schritte mit Shiva durchgearbeitet. Sobald sie einen Schritt gemeistert hatte, konnten wir einen weiter gehen. Waren wir zu schnell oder sie ist aufgrund eines angstauslösenden Ereignisses wieder zurückgefallen, sind wir einfach wieder ein paar Schritte zurückgegangen. Ich weiß, dass ich vermutlich ihr gesamtes Leben lang konsequent sein muss und immer ein Auge auf jede Situation haben muss, aber wir sind sehr weit gekommen und sie hat die meisten ihrer Ängste komplett hinter sich gelassen.

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Nun mal zum Buch selber. Es ist winzig. Man glaubt nicht, dass in so einem kleinen Büchlein so viel Wissen stecken kann und vor allem eine so unschätzbare Hilfe. Ja, es ist eine Umkonditionierung, aber durch neu aufgebaute Verhaltensketten und neue Lösungsstrategien für den Hund, kann eine vormals panikauslösende Situation jetzt mit einem fröhlichen Schwanzwedeln bewältigt werden.

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Schritt eins

Sicherheit schaffen. Ein erfolgreiches Training kann nur in Situationen stattfinden, in denen man sich sicher ist, dass man entspannt ist und sie auch meistert. Wenn man als Mensch selber angespannt ist, ist auch der Hund in Hab-acht-Stellung und nervös. Also dann lieber einen konsequenten Bogen laufen und der Situation vorerst ausweichen. Das ist aber kein Ziel, nur eine vorübergehende Verschiebung. Grade bei Hund-Mensch-Begegnungen gibt es so viele Möglichkeiten zu üben. Shiva hatte eine Zeitlang vor allem Angst, egal ob Hund oder Mensch (Das war nach einer sehr schmerzhaften Der-tut-Nix-Begegnung. Sie hat sich zur Wehr gesetzt und wurde zum Dank von dem Menschen geschlagen und getreten, bevor ich es verhindern konnte.) Nun hab ich solche Begegnungen gefürchtet und mich so sehr verspannt, dass Shiva komplett am Rad gedreht hat, sobald uns jemand entgegen kam.

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Schritt zwei

Spezielle angstauslösende Situationen entschlüsseln. Sind Shiva zwar die meisten Menschen und Hunde egal, kann es sein, dass sie bei manchen total außer sich ist. Warum? Passen sie eben in das Schema des Mannes, der sie angegriffen hat? Passt der Hund in das Schema des Hundes, der sie schmerzhaft überrannt hat? Liegt die Angst an einem Erlebnis in ihrer Welpenzeit? So sehr ich mich auch bemühe, ich kann es teilweise nicht nachvollziehen und erkenne auch kein spezielles Schema, nachdem die Angst ausgelöst wird. Aber viele Punkte auf meiner Liste konnte ich abhaken.

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Schritt drei

Worauf ist der Hund ganz scharf? Also Leckerchen? Ein besonders Spielzeug? Etwas, was er ganz superspitzenklasse findet. Das muss nun nämlich nun eingesetzt werden. Erst wenn das richtig perfekte Lockmittel gefunden ist, kann es weiter gehen zu

Schwimmspaß15Schritt vier

Ihr erinnert euch noch an Shivas Panik vor Hunde- und Menschenbegegnungen? Und folglich auch meine… Wir sind ausgewichen… Das war natürlich nicht im Sinne des Erfinders. Also hab ich mich jetzt an den “Schritt vier” gehalten. Wenn uns jemand entgegen kam, hab ich mich viel Freude und Spaß ein Spiely gezückt und bin mit Shiva fröhlich in die andere Richtung getigert. Sie hat anfangs irritiert zurück geguckt, aber dann schnell kapiert, dass der andere nicht nachkommt und wir nun fröhlich sind. Nach und nach haben wir uns rangetastet. Sind wir anfangs schon 400m vor den anderen umgedreht, haben wir uns mit Leckerlies, Spielzeug und viel Gequassel meinerseits rangetastet. Mittlerweile geht Shiva mit mir gemeinsam an 98% aller Hund-Mensch-Teams und Menschengruppen oder einzelnen Menschen vorbei ohne sie eines Blickes zu würdigen. Sie ist vollauf damit beschäftigt mich anzugucken.

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Jede beängstigende Situation wird nun so abgearbeitet. Langsames rantasten und immer bestätigen. Sobald sich das Verhalten nicht wie gewünscht ändert, ein paar Schrittchen zurück. Bei Shiva und mir klappt es soweit, dass sie nun die meisten Hunde und Menschen eher anspielt und jeder ein potentieller Leckerchengeber oder Spielkamerad ist. Wir sind noch nicht komplett am Ziel, aber wir nähern uns und bleiben eifrig dran.

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Schritt fünf

Bereit den Hund auch von Fremden streicheln und füttern zu lassen? Ganz so weit bin ich noch nicht. Wir kleben an Schritt 4, weil ich Angst habe, die Schwelle zu überschreiten. Ich lasse sie zu Bekannten und auch viel mit bekannten Hunden spielen, dass sie alles toll und schön findet, aber früher oder später muss ich mich einen Schritt weiter wagen.

Sooo, nun gehts weiter ins Training 😉

Flauschige Grüße

Sandra & Shiva