Frauli quasselt

Trotz Bücherliebe ein eBook Reader?

Erwähnt hatte ich es schon einmal, dass ich Bücher liebe. Ich liebe es über Seiten zu streichen, den Duft eines neuen Buches und den Moment, wenn ich ein neues Buch öffne. Zum ersten Mal. Es ist, als würde sich ein Vorhang heben. Ein verzauberter Moment. Und dann lese ich zu 95% auf dem eBook Reader? Wie passt das zusammen?

Praktisch und flexibel

Zunächst einmal: Er ist unglaublich praktisch. Der Akku reicht ewig. Ich brauche keine Taschenlampe oder anderes Licht, wenn ich mal woanders übernachte. Ich kann einfach aufklappen und losschmökern.  Ich habe immer jede Menge Bücher dabei und kann in meiner umfassenden „Bibliothek aus der Jackentasche“  auswählen.

Er hat auch ein tolles Display, so dass ich auch im Sommer auf der Liege im Garten liegen kann und auf dem Display ist trotzdem alles perfekt zu erkennen. Kein Blenden, kein Blinzeln, kein heller Fleck, keine Ermüdung. Ich kann quasi stundenlang lesen, ohne dass ich Kopfweh bekomme oder es anstrengend wird. Ich habe eine Zeitlang auf dem Tablet gelesen und obwohl ich ein sehr gutes Tablet besitze, musste ich mir schnell eingestehen, dass ich darauf nicht so gut lese. Es blendet und ist keine Freude so zu lesen. Auch war die Darstellung, so schön farbig und gestochen scharf sie auch war, irgendwie… nicht so gelungen. Ich weiß nicht. Mir persönlich war es einfach ein Gräuel.

Der kleine Reader ist auch im Büro immer dabei. Das ist natürlich geschickt. Wenn ich lese, tauche ich komplett ab und kann mich ganz und gar fallen lassen. Selbst, wenn ich den ganzen Tag protokolliere, lese ich in der Mittagspause und es entspannt mich und „rebootet“ mein Gehirn. Ich hatte zwar auch schon Bücher dabei, aber da jedes Mal die Angst, dass ich reinkrümel oder etwas draufkleckert. Mit dem Reader bin ich da entspannter, da ich ihn ja einfach feucht abwischen kann. Der steckt das alles locker weg.

Platzsparend und doch nicht klein

Der eBook Reader (ja, ich nenne bewusst keine Marken) ist klein und handlich und auch nicht schwer. Das Display ist nicht so mickrig, dass man bei vergrößerter Anzeige pro Buchstabe eine Seite benötigt und bei meiner normalen Buchstabeneinstellung (ja, ich habe – noch – sehr gute Augen und lese fast auf der kleinsten Einstellung) erkenne ich die Buchstaben gestochen scharf. Es ist eine Freude zu lesen, sofern das Buch gut ist.

Ich muss auch zugeben, dass ich mittlerweile manches Lieblingsbuch auf dem Reader habe, damit mein echtes Buch nicht so zerfleddert. Meine Bücher werden nämlich sehr sehr pfleglich behandelt. Knicke, Eselsohren, abgefledderte Kanten etc. sind mir ein Gräuel. Ein Buch ist quasi eine Reliquie und hat so behandelt zu werden. Ich habe 10 Jahre alte Bücher, die ich bestimmt 20x gelesen habe, die aber immer noch quasi wie neu aussehen.

Bücher auf Reisen oder ins Büro mitzunehmen ist eine Herausforderung für mich. Es könnte ja beschädigt werden. Früher war ich da sorgloser, aber mittlerweile lege ich da sehr viel Wert darauf. Ich hatte mal 3 Bücher verliehen – an eine Raucherin. Das war für mich der Horror. Ich konnte die Bücher niemals mehr aufschlagen. Sie riechen einfach nach Rauch und sind mir unerträglich. Zigmal hab ich sie ausgelüftet und sogar mit einem Duft besprüht, aber der Gestank kommt immer durch. Bisher hab ich sie noch nicht neu gekauft, aber ich spiele mit dem Gedanken daran.

Baumschonend und vielleicht sogar umweltfreundlich

Ja, selbst dieser Aspekt ist für mich relevant. So sehr ich Bücher liebe und auch eine ansehnliche Sammlung mein Eigen nenne, die riesige Bibliothek von die Schöne und das Biest wäre mein täglicher Schrein, die Bibliothek aus Tintenherz, die dem Feuer zum Opfer fällt, hat bei mir mehr Trauer ausgelöst, als so manch andere Filmtode (sieht man mal von Fred und Dobby ab). Trotz allem denke ich immer daran, dass jedes Buch Bäume zerstört und wir haben nicht unendlich viele Bäume zur Auswahl. Jedes Buch, dass ich auf dem Reader statt im Regal stehen habe, schont den Baumbestand der Welt.

Natürlich ist ein echtes richtiges Buch, welches man in der Hand hält, in das Tränen tropfen, das man spürt, in das der Kopf beim Einschlafen fällt, das einem auf die Nase knallt, wenn man einschläft… es ist etwas anderes, aber ich bin ein Technikfreak und freue mich über neue technische Errungenschaften und wenn sie noch so praktisch und (bis auf die Herstellung) umweltfreundlich sind, dann unterstütze ich sie voll und ganz.

Trotzdem nenne ich mehrere Sonderausgaben verschiedener Bücher mein Eigen und bin auch stolz darauf, sie zu besitzen und würde um nichts in der Welt darauf verzichten wollen. Sie zu lesen ist mir immer eine Freude und ein Privileg, sollten weitere Bände erscheinen, dann werde ich sie mir auch wünschen oder selbst kaufen, denn das sind Sammlerstücke und fallen für mich nicht in die Kategorie „schmökern“. Diese sind quasi mein heiliger Gral, um bei den Verherrlichungen des geschriebenen Wortes bleiben.

Das Gefühl des Buches

Lange Zeit hatte ich wirklich Probleme bestimmte Bücher auf dem Reader zu lesen. Meist hab ich Cosy Krimis oder Kurzgeschichten für Zwischendurch darauf verschlungen. Aber allmählich habe ich auch einige größere Werke (unter anderem sämtliche Karl May-Bücher) auf dem Reader und habe sie zu meiner eigenen Überraschung sehr gerne gelesen. Auch einige Terry Pratchett sind inzwischen darauf gelandet. Mir fehlt immer noch das Gefühl des Buches. Der Wälzer auf dem Schoß, das Gefühl der Seiten in den Fingern, der Duft des Buches in der Nase. Ja, es fehlt mir und ich rede es mir auch nicht schön oder nostalgisch. Ein wirklich richtiges Buch ist trotz allem immer noch unschlagbar großartig.

Manche Bücher werde ich vielleicht auch nie auf dem Reader lesen können, da es für mich dann irgendwie kein Buch ist. Ich weiß es nicht. Die Harry Potter Sonderausgaben sind einfach besonders und ich habe sie gelesen und jede Sekunde genossen, aber ich habe die Bücher doppelt und meine ersten Harry Potters sind schon total zerfleddert, da sie überall hin mit mussten. Zigmal gelesen und jedes einzelne Mal ein Genuss. Der Herr der Ringe steht bei mir im Regal. Die Taschenbücher. So zerlesen, dass sie förmlich aus dem Leim gehen. In der Vitrine steht die Sonderausgabe mit hauchzarten Seiten. Quasi unangetastet. Das ist ein Schmuckstück und wird auch so behandelt. Vielleicht werde ich sie mir auch eines Tages noch auf den Reader laden. Spätestens wenn die Taschenbücher auseinander brechen.

Schmökernde Grüße

Sandra

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