Wenn Hund die gute Kinderstube vergisst…

Wenn Hund die gute Kinderstube vergisst…

Februar 6, 2018 22 Von ShivaWuschl

*Vorsicht, dieser Beitrag enthält Spuren von Ironie*

Liebe Mithunde, ich weiß, dass ihr nichts dafür könnt, aber ist es so schwer höflich zu sein? Ich finde es sehr schade, wenn wir uns wegen solchen Dingen ins Fell kriegen müssen. Ein bisschen Höflichkeit und Respekt gegenüber dem Anderen und schon sähe die Welt etwas freundlicher aus.

Nur mal Hallo Sager

Ich spreche natürlich von meinen tierischen Freunden, denen jede Distanz fehlt. Diejenigen, die jedem “Hallo” sagen wollen, ganz gleich was man selber wünscht. Vielleicht habe ich Angst? Vielleicht habe ich eine Krankheit oder eine Verletzung? Vielleicht fasse ich deine “freundliche” Art als Angriff auf?

Und nein… es ist nicht höflich und freundlich in einen anderen Hund reinzubrettern, dass es dessen Frauchen die Leine aus der Hand reißt. Die Reaktionen fallen unterschiedlich aus. Früher bin ich laut schreiend davongerannt. Nachdem das von manchen als willkommene Jagdaufforderung angesehen wurde und ich mehrfach verletzt wurde, habe ich die Taktik geändert und hinterlasse nun ein Zahn-O-Gramm.

Da Frauli weiß, dass das selten auf große Freudenbekundungen stößt, versucht sie vorab zu warnen:

“Sie ist zickig” (wird meist kommentiert mit: “Egal, meine auch”) – na danke…
“Sie hat Durchfall” (da kommt die breite Palette von Beschimpfungen, was sie mit einem kranken Hund hier in der Einflugschneise zu suchen hat etc., während der Hund verzweifelt einzufangen versucht wird)
“Sie hat eine Verletzung” (Warum darf sie dann mit dem Ball spielen? Warum rennt sie dann und springt rum?) – naja, haben ja Recht…

Manchmal hofft sie auch auf Einsicht und bittet höflich, den anderen Hund anzuleinen, damit sie sich erst aus der Distanz vorsichtig beäugen können und erst bei gegenseitigem Gefallen spielen können. Das hat sogar schon ein paar Mal geklappt. Meistens wird man aber ignoriert und Frauli ist gezwungen mich und sich schnellstens in Sicherheit zu bringen. Rauscht der “Nur-mal-Hallo-sagen” das erste Mal vorbei, kann er meistens mit einem beherzten Stoppkommando eingebremst werden. Dann geht es aber meistens einigermaßen gut, da der Hund etwas irritiert ist und zunächst abwartet. So kann das jeweilige Anhängsel auch aktiv werden oder Frauli scheucht ihn mit einem “hau ab” von uns weg.

Der Tut Nix

Die Gattung der “Der-Tut-Nixe” sind noch viel kritischer, da sie nämlich vor allem das eine nicht tun… auf Zeichen achten. Die Nur-Mal-Hallo-Sager sind zumeist freundlich und harmlos, wenn sie den ersten Überschwang gebremst kriegen. Die “Der-Tut-Nixe” lassen sich von nichts davon abbringen, ihr Gegenüber genau so zu behandeln, wie sie es wollen.

Ich kann Zähne zeigen… “Oh, schön, die lächelt!”
Ich kann mich steif machen und aufbauen… “werd doch mal locker, Kleines”
Ich kann mich ganz platt machen… “Na, sei doch nicht so schüchtern”
Ich versteck mich hinter Frauli… “Oh, Verstecken spielen find ich toll!”

Jaja, meistens lassen diese sich aber auch ausbremsen und wegschicken, wenn Frauli schnell genug reagiert. Da sind dann aber auch die Halter komplett unnütz. Die haben nämlich jegliche Kontrolle über ihren Vierbeiner verloren und stiefeln planlos durch die Welt, während sie denken, sie sind die perfekten Hundehalter und bieten ihrem Hund die volle Bandbreite der Freiheit. Da braucht man dann Tricks, um diesen Hundebegegnungen zu entgehen und das uneinsichtige Zweibein zu erziehen.

Trick 17

Beim letzten Mal war Frauli sehr schauspielerisch begabt. Frauli ruft dem Mensch zu, dass er doch bitte seinen Hund anleinen soll (der sicher 3x soviel auf die Waage gebracht hat wie ich und wie ein Elefant auf mich zugaloppiert kam). Natürlich hat Herrchen keine Reaktion gezeigt. Der Der-Tut-Nix brettert um Frauli rum, die ihm zackig den Fuß in den Weg stellt und ihn dabei auch touchiert. Der Hund ist irritiert und Frauli schreit auf, wie am Spieß und kreischt dem unnützen und uneinsichtigen Halter zu: “Der hat mich gebissen! Ich zeig Sie an! Ich hab Ihnen doch vorher gesagt, dass der an die Leine gehört!” Zeter und Mordio schreiend stand Frauli auf dem Feld und hat den Hundehalter zusammengestaucht, der seinen völlig verdatterten Vierbeiner eingesammelt hat und sich schnellstens vom Acker gemacht hat. Weder dem Hund noch Frauli noch mir ist was passiert, aber der Hundehalter hat sich vielleicht so erschrocken, dass er künftig einfach mal seinen Hund anleint, wenn jemand kommt. Übrigens… die Situation wurde von einem jungen Pärchen mit Fahrrädern beobachtet, die fast vor lauter Lachen vom Fahrrad gefallen sind. Sie fanden Fraulis Reaktion sehr witzig und gelungen und hatten mit besagtem Herrn auch schon die eine oder andere unschöne Begegnung.

Die “Arschlöcher”

Ja, die gibt es natürlich auch. Wir treffen regelmäßig eins. Aber das ist nicht schlimm. Dieser spezielle Vertreter seiner Art ist nämlich mit einem sehr bewussten Frauchen gesegnet. Sie schreit von weitem: “Vorsicht, meiner ist ein Arschloch!” Beim ersten Mal hat Frauli sehr gut gelaunt gerufen: “Meine auch, ich geh nach links!”. Das Frauchen vom Arschloch hat begeistert genickt und sich in die andere Richtung verkrümelt. Zwei Stunden später sind wir kurz hintereinander bei unseren nebeneinander geparkten Autos angekommen und Arschloch und ich haben uns glänzend verstanden. Energie verpulvert, beide glücklich. Ein kurzes freundliches Schnüffeln und Wedeln und jeder ist in sein Mobil eingestiegen. Unsere Frauchens haben sich dafür die nächste halbe Stunde darüber ausgetauscht, wie herrlich das doch ist, wenn man jemanden trifft, der einen versteht. Übrigens… das besagte Arschloch heißt Jimmy und wir waren schon einige Male zusammen Gassi. Wir vertragen uns nämlich hervorragend, weil jeder sein eigenes Ding macht und wir uns nicht auf den Keks gehen.

Variante 2 “Arschloch”

Es gibt natürlich auch eine andere Kategorie und mit der rumpelt es regelmäßig. Meistens ist dann nämlich der Zweibeiner ein ebensolches und sieht es überhaupt nicht ein, ein bisschen Rücksicht zu nehmen. Also kracht es dann halt zwischen Frauli und dem Zweibein. Sie wird dann nämlich zur wütenden Furie und faucht wie ein ausgewachsener Drache. Ich schwör euch! Da hab ich schon Rauchkringel aus den Nasenlöchern steigen sehen… Jedenfalls bewegt sich Frauli da gerne mal in der Nähe des § 185 StGB. Trotz aller Wut schafft sie es aber meistens, die Grenze nicht zu überschreiten. Nur einem besonders bescheuerten Seckel, der mich viermal angegriffen und Frauli bereits zweimal gebissen hatte, hat sie mit den Worten: “Schau, dass du mit deinem Köter Land gewinnst, sonst häng ich euch zwei am nächsten Baum auf” vertrieben. Das war nicht nett, aber einprägsam. Eine Anzeige hat sie sich überlegt, aber da von seiner Seite kampflos der Rückzug angetreten wurde, hat sie es sein lassen. Der nächste Der-Tut-Nix hat so nen Anpfiff kassiert, dass er vermutlich heute noch wegrennt…

Da ich jetzt irgendwie vom eigentlichen Thema abgekommen bin, lass ich das nun einfach so stehen. *grins* Ich habe bewusst keine Rassen genannt und bin nicht näher auf Fraulis Reaktionen eingegangen… natürlich machen wir auch einiges Falsch und ich bin sicher kein Unschuldslamm durch meine Reaktionen, aber ich denke, würden wir uns alle etwas höflicher und respektvoller begegnen, dann würden die meisten Begegnungen harmonisch(er) ablaufen und das Leben wäre einfacher.

Flauschige Umpfötelung

Shiva Wuschelmädchen

 

Dieser Beitrag war bereits auf dem alten Blog veröffentlich, muss aber selbstverständlich mitgenommen werden.