Der Mensch versucht hündisch…

Oktober 16, 2017 13 Von

Gestern haben Shiva und ich den herrlichen Herbsttag auf dem Hundeplatz verbracht. Nun ja… ich zumindest. Shiva hat 3/4 des Tages im Auto gewartet. Wir hatten ein Leinenführigkeitsseminar besucht und ich hatte den naiven Gedanken, dass wir gemeinsam mit dem Hund interagieren und verschiedene Situationen üben. Irgendwie dachte ich, wir üben viel gemeinsam mit mehreren Hunden und sie wird am Abend froh sein, wenn sie endlich schlafen kann. Weit gefehlt. Es waren 9 Hunde angemeldet. Das Seminar ging von 9 Uhr bis ca. 17 Uhr. Shiva hatte morgens nur eine kurze Gassirunde, dann kam eine Stunde Theorie, während der die Seminarleiterin ihre Methode vorgestellt hat bzw. erzählt hat, wie klasse ihr Rudel funktioniert.

Ich hatte da schon ein komisches Gefühl, aber man will ja abwarten und nicht gleich urteilen. Jeder von uns durfte sagen, was er für Probleme hat und was er davon gerne anders hätte. Der erste Hund kam dran. Nach über einer Stunde war die 6 Monate alte Heidi fix und fertig. Die zweite Hündin war die 5 Monate alte Joy. Es ging wieder über eine Stunde und Joy ging weit über ihre Grenzen. Mein ungutes Gefühl verstärkte sich, als die eigentlich so friedliche Mira der Seminarleiterin deutlich die Zähne zeigte, als sie gemaßregelt wurde. Es ging Gassi und Shiva und ich spielten erstmal ausgiebig. Ich wäre am Liebsten gegangen.

Mein Fazit nach dem Vormittag: Es wurde nur über Maßregelung in unterschiedlicher Intensität gearbeitet und niemals gelobt. Fand ich schon mal schlecht. Ich arbeite viel über positive Verstärkung und lobe viel und ausgiebig. Natürlich maßregel ich auch mal und weise Shiva zurecht. Aber das sind kurze Ansagen, die punktuell gesetzt werden, sobald die Situation vorbei ist, sind wir wieder fröhlich und haken die ungute Situation ab. Bisher fuhr ich damit recht gut, ich hätte nur gerne etwas mehr Sicherheit in Begegnungssituationen gebracht.

Nach der Mittagspause wurde intensiv mit der 1jährigen Sambora gearbeitet. Sie muss noch einiges mit ihrem Frauchen ausdiskutieren und die beiden sind aber mittlerweile auf einem guten Weg und Samboras Frauchen muss nur noch lernen ihren Hund besser zu lesen und dann klappt es bei den beiden. Manches Verhalten interpretiert sie noch falsch, reagiert aber für Sambora klar und deutlich. Inzwischen war es nach drei… Shiva saß mittlerweile seit 9 Uhr im Auto, nur unterbrochen von einer ca. 30 minütigen Gassirunde.

Nun kam eine Riesenschnauzerhündin dran, die an der Leine pöbelt. Jetzt merkte die Seminarleiterin, dass ihr die Zeit ausgeht und alle anderen Hunde, die noch nicht dran waren, wurden gemeinsam geholt. Wir standen zu fünft auf dem Platz. Shiva brach fast zusammen und mir der Schweiß aus, als die Riesenschnauzerhündin sie voll anblaffte. Ich habe es zwar geschafft, sie abzuwehren und Shiva die nötige Sicherheit zu geben, aber trotzdem gingen wir mehrfach weit über die Grenze, die ich mir für Shiva und mich gesetzt habe. Gegen Ende wurde ich von einer Freundin im Blindflug mitten zwischen den Leuten hindurchgeführt. Ich musste meine Augen schließen und mich ganz auf die Führung verlassen. Shiva kennt sie gut und folgte uns bereitwillig und problemlos, aber meine Freundin unterschritt auch niemals Shivas Grenzen, da sie uns beide gut kennt.

Im Nachhinein war ich froh, dass sie nur so kurz zum Einsatz kam, aber ich hätte sie besser bei meinen Eltern gelassen, da hätte Shiva sicher einen schöneren Tag gehabt. Trotzdem hab ich für mich aus dem Seminar einiges mitgenommen und zwar, dass Shiva und ich schon unseren Weg gefunden haben, aber ich ihr schneller Sicherheit geben muss und „Gefahren“ schneller abblocken muss. Sie ist und bleibt ein unsicherer Hund und wird niemals so taff werden, wie Rocky, aber sie hat auch viel mehr erlebt und überwinden müssen und dafür ist sie schon ein großartiger Hund. Ich bin stolz auf sie und werde unseren Weg genau gleich weiter gehen.

 

Mein Fazit: Der Grundgedanke der Seminarleiterin, dass sie sich hündisch mit den Hunden unterhalten will, ist zwar recht gut und ich quatsche Shiva sicher zu viel voll, aber nicht jedes Konzept passt auf jeden. Ich kann mich nicht verstellen und auch nicht aus meiner Haut. Ich bin eben eine Quasselstrippe, ich bin hampelig und manchmal auch ungenau in meiner Körpersprache, aber ich bin eben so und so bin ich authentisch. Shiva kennt mich nur so und hat gelernt, aus all dem Gehampel und Gequassel ihre Führung bei mir zu finden und wir kommen klar.

 

Was mir nicht gefallen hat, war die Tatsache, dass nur über Einschränkung gearbeitet wurde und die Hunde z.B. bei einem Richtungswechsel nicht gewarnt wurden, sondern in den Fehler reinlaufen mussten, um dann gemaßregelt zu werden. Ich hab immer kurz geschnalzt und so kennt mich Shiva, sie ist dann voll bei mir und hält den Kontakt. Ich finde es unfair, wenn der Hund voll in den Fehler reinlaufen soll, damit man dann strafen kann. Wir sind doch ein Team und nicht nur der Hund soll Respekt vor mir haben, sondern ich auch vor ihr und ihrem Charakter. Nicht so, dass ich vor ihr zurückweiche, aber dass ich ihre Eigenarten akzeptiere und auch ihre Abstände respektiere.

Als Beispiel: Ich habe die Box so aufgebaut, dass das ihr sicherer Bereich ist. Da kann sie sich zurückziehen und hat ihre Ruhe. So entspannt dort komplett und schläft selbst auf dem Hundeplatz tief und fest, wenn ich sie im Auto warten lasse (aber nicht stundenlang). Wenn sie in der Box ist, spreche ich sie an, fordere sie auf, dass sie aufsteht und dann leine ich sie an. Sie kommt auf Kommando raus und hopst gerne wieder rein. Möchte ich sie jetzt aber noch abtrocknen, weil sie schwimmen war, trockne ich sie nicht in der Box ab, sondern fordere sie auf, dass sie noch einmal rausspringt und trockne sie dort ab, lege eine kuschlige Decke rein und lass sie wieder einsteigen. Dann wird evtl. noch eine Decke drüber gelegt und ich mache die Box zu. Das Zudecken akzeptiert sie und findet sie gut. In der Box würde ich sie nie abtrocknen, weil das ein Eingriff in ihren eigenen Raum ist. Anfangs hat sie mich da angeknurrt, aber anstatt ihr den sicheren Bereich kaputt zu machen, indem ich sie dort maßregle, hab ich eine Alternative gesucht, die wir beide okay finden. Finde ich den freundlicheren Weg.

Flauschige Grüße

Sandra