Allgemein

Der Mensch versucht hündisch…

Gestern haben Shiva und ich den herrlichen Herbsttag auf dem Hundeplatz verbracht. Nun ja… ich zumindest. Shiva hat 3/4 des Tages im Auto gewartet. Wir hatten ein Leinenführigkeitsseminar besucht und ich hatte den naiven Gedanken, dass wir gemeinsam mit dem Hund interagieren und verschiedene Situationen üben. Irgendwie dachte ich, wir üben viel gemeinsam mit mehreren Hunden und sie wird am Abend froh sein, wenn sie endlich schlafen kann. Weit gefehlt. Es waren 9 Hunde angemeldet. Das Seminar ging von 9 Uhr bis ca. 17 Uhr. Shiva hatte morgens nur eine kurze Gassirunde, dann kam eine Stunde Theorie, während der die Seminarleiterin ihre Methode vorgestellt hat bzw. erzählt hat, wie klasse ihr Rudel funktioniert.

Ich hatte da schon ein komisches Gefühl, aber man will ja abwarten und nicht gleich urteilen. Jeder von uns durfte sagen, was er für Probleme hat und was er davon gerne anders hätte. Der erste Hund kam dran. Nach über einer Stunde war die 6 Monate alte Heidi fix und fertig. Die zweite Hündin war die 5 Monate alte Joy. Es ging wieder über eine Stunde und Joy ging weit über ihre Grenzen. Mein ungutes Gefühl verstärkte sich, als die eigentlich so friedliche Mira der Seminarleiterin deutlich die Zähne zeigte, als sie gemaßregelt wurde. Es ging Gassi und Shiva und ich spielten erstmal ausgiebig. Ich wäre am Liebsten gegangen.

Mein Fazit nach dem Vormittag: Es wurde nur über Maßregelung in unterschiedlicher Intensität gearbeitet und niemals gelobt. Fand ich schon mal schlecht. Ich arbeite viel über positive Verstärkung und lobe viel und ausgiebig. Natürlich maßregel ich auch mal und weise Shiva zurecht. Aber das sind kurze Ansagen, die punktuell gesetzt werden, sobald die Situation vorbei ist, sind wir wieder fröhlich und haken die ungute Situation ab. Bisher fuhr ich damit recht gut, ich hätte nur gerne etwas mehr Sicherheit in Begegnungssituationen gebracht.

Nach der Mittagspause wurde intensiv mit der 1jährigen Sambora gearbeitet. Sie muss noch einiges mit ihrem Frauchen ausdiskutieren und die beiden sind aber mittlerweile auf einem guten Weg und Samboras Frauchen muss nur noch lernen ihren Hund besser zu lesen und dann klappt es bei den beiden. Manches Verhalten interpretiert sie noch falsch, reagiert aber für Sambora klar und deutlich. Inzwischen war es nach drei… Shiva saß mittlerweile seit 9 Uhr im Auto, nur unterbrochen von einer ca. 30 minütigen Gassirunde.

Nun kam eine Riesenschnauzerhündin dran, die an der Leine pöbelt. Jetzt merkte die Seminarleiterin, dass ihr die Zeit ausgeht und alle anderen Hunde, die noch nicht dran waren, wurden gemeinsam geholt. Wir standen zu fünft auf dem Platz. Shiva brach fast zusammen und mir der Schweiß aus, als die Riesenschnauzerhündin sie voll anblaffte. Ich habe es zwar geschafft, sie abzuwehren und Shiva die nötige Sicherheit zu geben, aber trotzdem gingen wir mehrfach weit über die Grenze, die ich mir für Shiva und mich gesetzt habe. Gegen Ende wurde ich von einer Freundin im Blindflug mitten zwischen den Leuten hindurchgeführt. Ich musste meine Augen schließen und mich ganz auf die Führung verlassen. Shiva kennt sie gut und folgte uns bereitwillig und problemlos, aber meine Freundin unterschritt auch niemals Shivas Grenzen, da sie uns beide gut kennt.

Im Nachhinein war ich froh, dass sie nur so kurz zum Einsatz kam, aber ich hätte sie besser bei meinen Eltern gelassen, da hätte Shiva sicher einen schöneren Tag gehabt. Trotzdem hab ich für mich aus dem Seminar einiges mitgenommen und zwar, dass Shiva und ich schon unseren Weg gefunden haben, aber ich ihr schneller Sicherheit geben muss und „Gefahren“ schneller abblocken muss. Sie ist und bleibt ein unsicherer Hund und wird niemals so taff werden, wie Rocky, aber sie hat auch viel mehr erlebt und überwinden müssen und dafür ist sie schon ein großartiger Hund. Ich bin stolz auf sie und werde unseren Weg genau gleich weiter gehen.

 

Mein Fazit: Der Grundgedanke der Seminarleiterin, dass sie sich hündisch mit den Hunden unterhalten will, ist zwar recht gut und ich quatsche Shiva sicher zu viel voll, aber nicht jedes Konzept passt auf jeden. Ich kann mich nicht verstellen und auch nicht aus meiner Haut. Ich bin eben eine Quasselstrippe, ich bin hampelig und manchmal auch ungenau in meiner Körpersprache, aber ich bin eben so und so bin ich authentisch. Shiva kennt mich nur so und hat gelernt, aus all dem Gehampel und Gequassel ihre Führung bei mir zu finden und wir kommen klar.

 

Was mir nicht gefallen hat, war die Tatsache, dass nur über Einschränkung gearbeitet wurde und die Hunde z.B. bei einem Richtungswechsel nicht gewarnt wurden, sondern in den Fehler reinlaufen mussten, um dann gemaßregelt zu werden. Ich hab immer kurz geschnalzt und so kennt mich Shiva, sie ist dann voll bei mir und hält den Kontakt. Ich finde es unfair, wenn der Hund voll in den Fehler reinlaufen soll, damit man dann strafen kann. Wir sind doch ein Team und nicht nur der Hund soll Respekt vor mir haben, sondern ich auch vor ihr und ihrem Charakter. Nicht so, dass ich vor ihr zurückweiche, aber dass ich ihre Eigenarten akzeptiere und auch ihre Abstände respektiere.

Als Beispiel: Ich habe die Box so aufgebaut, dass das ihr sicherer Bereich ist. Da kann sie sich zurückziehen und hat ihre Ruhe. So entspannt dort komplett und schläft selbst auf dem Hundeplatz tief und fest, wenn ich sie im Auto warten lasse (aber nicht stundenlang). Wenn sie in der Box ist, spreche ich sie an, fordere sie auf, dass sie aufsteht und dann leine ich sie an. Sie kommt auf Kommando raus und hopst gerne wieder rein. Möchte ich sie jetzt aber noch abtrocknen, weil sie schwimmen war, trockne ich sie nicht in der Box ab, sondern fordere sie auf, dass sie noch einmal rausspringt und trockne sie dort ab, lege eine kuschlige Decke rein und lass sie wieder einsteigen. Dann wird evtl. noch eine Decke drüber gelegt und ich mache die Box zu. Das Zudecken akzeptiert sie und findet sie gut. In der Box würde ich sie nie abtrocknen, weil das ein Eingriff in ihren eigenen Raum ist. Anfangs hat sie mich da angeknurrt, aber anstatt ihr den sicheren Bereich kaputt zu machen, indem ich sie dort maßregle, hab ich eine Alternative gesucht, die wir beide okay finden. Finde ich den freundlicheren Weg.

Flauschige Grüße

Sandra

13 Kommentare

    • ShivaWuschl

      Ja, da hast du Recht… beim nächsten Seminar melde ich ohne Hund an und bin nur Zuschauer. Shiva hat dann einen Enkelhundtag und freut sich am Abend ein Loch ins Knie.

  • Socke- nHalterin

    Ich bewundere Deine Ausdauer. Sei gewiss, ich hätte Socke bestimmt nicht im Auto gelassen. Nicht bei den Temperaturen. Durch Sockes Fell wird ihr viel schneller viel wärmer.
    Ich finde das ist eine schlechte Organisation, zeugt von wenig Umsicht und hätte mich wirklich abgeschreckt.

    Tut mir wirklich leid, denn ich weiß, wie man sich auf so ein Seminar freut. Man will ja immer ganz viel lernen. Aber Du scheinst ja etwas mitgenommen zu haben, was mir mit Wut im Bauch auch nicht gelungen wäre. Hut ab….

    Viele liebe Grüße
    Sabine mit Socke, die auch oft zu ungenau und redselig ist

    • ShivaWuschl

      Shiva hatte einen schnuckligen Schattenplatz und das Auto war offen, da hatte ich keine Sorge. Ich habe mich nur geärgert, dass ich den schönen Tag so verschwendet habe…

  • Schätersky und Frauchen

    Ein sehr interessanter Bericht. Ich habe in der Hundeschule auch vor allem gelernt, dass ich am besten auf mein eigenes Gefühl vertraue und unseren eigenen Weg finde. 🙂 In unserer Hundeschule wurde Leinenführigkeit trainiert, indem man stehen bleiben sollte, sobald die Leine spannt. Das war erstens frustrierend und zweitens meistens erfolglos, sodass viele auf Anraten der Trainer ein Kopfhalfter benutzten. Ich nicht, weil Kalle es sicher unangenehm gefunden hätte und ich außerdem Angst hatte, dass er sich verletzen könnte, falls er in Panik gerät. Mittlerweile ignoriere ich Ziehen an der Leine einfach (außer es hat einen bestimmten Grund wie Angst oder Jagdverhalten), gehe normal weiter, während ich kurz dagegen halte und dann nachgebe, sodass er sich nicht „festzieht“. Das ist vermutlich nicht die beste Methode, aber immerhin kommen wir so ohne ständigen Zug von A nach B. Übrigens schnalze ich auch, wenn ich die Richtung wechsle, damit Kalle nicht in die Leine läuft, und lasse Konflikte nach Möglichkeit gar nicht erst entstehen. Auch in meinen Augen ist es so schöner. 🙂
    Liebe Grüße,
    Nora

    • ShivaWuschl

      Danke. Ja, ich finde, dass ein Miteinander schöner ist, als ein Gegeneinander… Natürlich muss ich Sicherheit ausstrahlen und Shiva vermitteln, dass ich alles im Griff habe, aber sie strebt sicher nicht danach die Weltherrschaft an sich zu reißen…

  • wandklex Ingrid Heuser

    Wie gut ich Dich verstehe – da hätte ich mich auch nicht wohlgefühlt, und meine Malaika, die in vielem ja sehr ähnlich ist, ganz gewiss auch nicht. Ich finde toll, dass Du so liebevoll mit Shiva bist und die Dinge so tust wie Du sie tust. Prima, dass Du Dich da nicht beirren lässt und Dir keine „andre Linie“ verkaufen bzw. aufs Auge drücken lässt. Ihr fahrt doch ganz gut damit und ich glaube Dein Gespür ist sehr gut.
    Deine Geudld auch. Ich glaub ich hätt das nicht so lang ausgehalten. 😀
    Flauschige Umpfötelung zurück, Eure Ingrid und Malaika

    • ShivaWuschl

      Dankeschön. Meine Ausdauer bei diesem Seminar war dem geschuldet, dass ich mich verpflichtet gefühlt habe, zu bleiben. Schließlich würden wir Trainer hingeschickt, um was zu lernen… naja, ich hab schon einiges mitgenommen… mehr oder weniger.
      In Bezug auf mein Mädchen bleib ich bei meiner Linie und werde mich weiterhin auf mein Bauchgefühl verlassen.
      Fühl dich geflauscht.

  • merlinmarun

    Das klingt gaanz toll, wie Du das machst. Und Zutexten ist glaube ich kein Problem, solange Hund weiß, ob sie/er die Ohren auf Durchzug stellen darf und nur auf die Melodie lauschen oder ob das jetzt Hundeworte enthält. – Hunde sind schlauer, als manche Trainer*innen glauben

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.